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Rheinpfalz: Hochdorf, Handball, Hutter

25. März 2017
Auch wenn der TV Hochdorf im ersten Endspiel nach der Gründung der Handball-Bundesliga gegen den haushohen Favoriten VfL Gummersbach deutlich unterlegen war, gingen die Grün-Weißen gleich in zweierlei Hinsicht in die Geschichtsbücher des deutschen Handballs ein. Zum einen, weil sie als Sieger der Südstaffel – und das vor dem Vorjahresfinalisten SG Leutershausen – den Weg ins Finale geschafft hatten. Zum anderen war der zu früh verstorbene Josef Hutter der erste Torschütze seit dem Start der Handball-Bundesliga 1966/67. Das Hochdorfer Urgestein erzielte beim 15:11-Erfolg gegen die Rheineckendörfer Füchse das erste Tor.Spätestens zu diesem Zeitpunkt wusste Handball-Deutschland mit den drei „H“ etwas anzufangen: Sie standen für Handball, Hochdorf, Hutter. Die Hutter-Buben waren damals das Herzstück der Hochdorfer Mannschaft, ohne die Leistung der übrigen Akteure der Mannschaft zu schmälern. Allen voran Klaus Hutter, der Kapitän und Spielertrainer, dann Torjäger Josef „Seppl“ Hutter sowie Franz Hutter. Im Mittelpunkt des ersten Finals stand Klaus Hutter, den der VfL Gummersbach nach Aufzeichnungen des Fachmagazins „Handballwoche“ abwechselnd durch Klaus Kriesten und Burkhardt Müller bewachen ließ. Hutter kam kaum ins Spiel. Nur einen Siebenmeter verwandelte der sonst so geniale Spielmacher. Im Gegenzug hatte Franz Hutter die Sonderbewachung gegen den legendären „Bomber“ Hansi Schmidt übernommen. Dennoch traf Schmidt achtmal für den VfL. Nicht anders erging es seinem Cousin Josef, dem bei 20 Versuchen zwei Feld- und ein Siebenmeter-Treffer gelangen. 

Der TV Hochdorf erlebte damals in Dortmund einen rabenschwarzen Tag. Auch Hans Stein und Peter Frisch konnten ihr zweifellos vorhandenes Können nicht umsetzen. Alois Ehmann erging es nicht besser. Fred Naegele und Josef Bappert kamen nur zu einem Versuch. Sie scheiterten meist an dem überragenden VfL-Keeper Bernd Podak. Nur einer der Grün-Weißen wuchs über sich hinaus: Torwart Klaus Becker. „Mit dem Mut der Verzweiflung warf er sich den urplötzlich und völlig frei am Kreis auftauchenden Gummersbachern entgegen. Allein ihm und dem ,zweiten Gang’ des VfL im zweiten Abschnitt der ersten Halbzeit hatte es der TVH zuzuschreiben, dass es mit 23 Gegentoren am Ende noch glimpflich abging“, schrieb damals die „Handballwoche“. Sie würdigte zugleich den Aufstieg des TV Hochdorf an die Spitze des deutschen Handballs mit den Worten: „Die Niederlage ist für die Pfälzer, für die die Endspielteilnahme schon ein großer Erfolg war, kein Beinbruch, doch muss die Deklassierung nach der Pause mehr als deprimierend gewesen sein.“

Trotz des Debakels war es dennoch eine Sternstunde in der 117-jährigen Geschichte des TV Hochdorf. Das Dorf aus der Pfalz war wie elektrisiert. Über 1000 Fans aus der 1500 Einwohner zählenden Gemeinde machten sich mit dem Sonderzug auf den Weg nach Dortmund. Sie unterstützen dort mit Pauken und Trompeten ihre Mannschaft. Bis sie eben die deutliche Überlegenheit des VfL Gummersbach anerkennen mussten. Da verstummte schließlich auch so manche Trompete mit zunehmender Spieldauer. Ernüchterung machte sich letztlich breit.

Doch plötzlich hörten die Fans wieder eine Trompete spielen. Galgenhumor? Nein. Ein älterer Gummersbacher bat einen Hochdorfer Fan, ihm die Trompete auszuleihen. Er tat es und überließ den Sportkameraden aus dem Bergischen Land sein Instrument. So wurden auch noch Freundschaften geschlossen. 

Das bestätigte Jochen Brand, der Bruder des ehemaligen Bundestrainers Heiner Brand, gegenüber der RHEINPFALZ. „Wir hatten zwar gegen die Pfälzer leichtes Spiel, aber sie waren echte Kameraden. Das haben wir nicht vergessen“, sagte Brand. Gefeiert hatte der TV Hochdorf die Vize-Meisterschaft dennoch. Es war schließlich der größte Erfolg. Mit einem Korso durch das Dorf wurde die Mannschaft nach der Rückkehr empfangen. Hochdorf hatte Handballgeschichte geschrieben. Sie haben den Weg bis zur Erstklassigkeit geschafft. Es wird wohl eine einmalige Sensation bleiben.

(Von Jochen Willner, Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - Nr. 72, Samstag, den 25. März, Seite 25)

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