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Matschke: "Es kann sich keiner beschweren"

28. Mai 2015

Im ersten Teil des Saisonabschlussinterviews spricht unser Trainer Benjamin Matschke über die Transformation vom Offensiv-Spektakel zum Abwehrbollwerk, den schwindenden Abstand zur Spitze, das beste Spiel der Saison und vieles mehr.


Benny, wir müssen reden! Letzte Saison haben wir am Ende der Saison 43:17 Punkte gehabt, jetzt stehen wir nur mit 39:21 da. Die Leute hier werden so langsam nervös …

„Man sieht, wie die Ansprüche da draußen wachsen. Obwohl wir um ein Haar Zweiter geworden wären, sind manche nicht mit den gezeigten Leistungen zufrieden. Ich selbst muss sagen, dass die Saison wirklich hätte besser verlaufen können, vor allem wegen der vielen Verletzten. Da sind wir in viele schwierige Situationen gekommen, aber für mich zählt am Ende, was dabei herauskommt. Wir sind wieder Dritter geworden, das war unser Ziel. Ich denke, da kann sich keiner beschweren!“

Wenn denn in deinen Augen die Saison 2013/2014 oder 2014/2015 besser?

„Die Saison 2013/2014 war zu großen Teilen er Selbstläufer. Wir waren immer komplett und haben von Saisonbeginn an richtig gut gespielt. Die Situation in dieser Saison war eine ganz andere. Zum einen waren wir in fast jedem Spiel Favorit, mit dieser Rolle mussten wir erst einmal klar kommen. Wir sind nur gemächlich in die Saison gestartet, aber mit 21 Minuspunkten am Saisonende bin ich durchaus zufrieden.“

Was war denn in deinen Augen das beste Spiel der Saison?

„Wir haben gegen die SG Nußloch vier Punkte geholt und zweimal sehr gut gespielt und in Leutershausen nach großem Kampf mit zwei Toren verloren und das Rückspiel dominant gewonnen. In diesen Spielen hat die Mannschaft gezeigt, zu was sie fähig ist, weil wir auch in diesen Spielen nicht komplett waren.“

Gegen Nußloch und die SGL, die beiden Spitzenteams der Liga, habt ihr sechs von acht möglichen Punkten geholt, obwohl ihr in den Spielen davor jeweils keine guten Leistungen gezeigt habt. Gegen die beiden letztjährigen Top-Teams Coburg und Bad Neustadt hingegen nur 1:7 …

„Der Rückstand zur Spitze ist geringer geworden und die Liga ist nochmal ausgeglichener. Coburg und Bad Neustadt haben letztes Jahr das Geschehen dominiert. In diesem Jahr hat man deutlich gesehen, dass sich die Mannschaft nicht von negativen Ergebnissen hat beeinflussen lassen. Wir hatten in den entscheidenden Phasen immer eine Antwort parat. Dafür haben wir gegen die Teams aus der unteren Tabellenregion, sprich Neuhausen, Fürstenfeldbruck, Balingen oder Großsachsen, zu viele Punkte liegen lassen.“

Der TV Hochdorf definiert sich seit Jahren über seine Heimstärke. In diesem Jahr habt ihr zuhause aber viele Punkte liegen lassen und seit in der Heimtabelle ligaweit nur Sechster. Dazu kommen Spiele wie gegen die SG Kronau/Östringen II oder in Balingen, wo man nie den Anschein hatte, als dass die Mannschaft das Spiel gewinnen könnte. Wie kommen solche Partien zustande?

„Das Spiel in Balingen stand unter einem wahnsinnig schlechten Stern. Tim Beutler und Jan Claussen waren verletzt, Benny Hundt gerade so einsatzfähig. Balingen hat sich von Anfang an in einen Rausch gespielt, da kam einfach alles zusammen. Aber insgesamt muss man sagen, dass wir trotz der vielen Verletzten eine klasse Runde gespielt haben und uns in einer gewissen Komfortzone der Tabelle befinden. Andere Mannschaften mit Verletzungspech haben ganz lange gegen den Abstieg gespielt. Wenn mir am Anfang der Saison jemand gesagt hätte, wer für wie lange ausfällt und wir trotzdem Dritter werden, hätte ich das sofort unterschrieben.“

Ihr stellt die Abwehr mit den drittwenigsten Gegentoren, habt selbst jedoch nur die achtmeisten Treffer erzielt. Auch vom optischen Aspekt her wirkt der Angriff nicht mehr so flüssig wie noch in der Vorsaison, wo ihr noch die zweitbeste Angriffsreihe gestellt habt. Woher kommt denn diese Transformation von einem Offensiv-Spektakel zu einem Abwehrbollwerk?

„Gleich im ersten Spiel hat sich Christopher Klee verletzt. Er war in der 6:0-Deckung gesetzt und einer der wichtigsten Spieler in der Defensive. Wenig später hat sich Steffen Bühler verletzt und ist wochenlang ausgefallen; kurz vor der Winterpause war Jonas Kupijai dann raus – alle Mittelblocker waren also über einen längeren Zeitraum verletzt. Im Training musste ich daher meinen Fokus auf die Abwehr legen und mir Neues einfallen lassen. Wir hatten uns im Trainingslager vorgenommen, wieder Tempo-Handball zu spielen, doch mit den vielen Verletzten war das ab einem gewissen Zeitpunkt kein Thema mehr für mich. Wir hatten teilweise acht Leute im Training, wie soll ich denn da Tempo-Handball spielen? Für die Zuschauer ist es zwar weniger attraktiv, aber für mich zählt das Ergebnis. Deshalb habe ich der Mannschaft gesagt, dass wir nicht wie in der Vorsaison jeden Angriff rennen können, als wir noch 14 Mann hatten. Wir wollten unser Saisonziel trotz allem erreichen, und deshalb habe ich mir gesagt: Das schaffen wir bloß über eine gute Defense mit einem guten Torhüter-Gespann. Für die nächste Saison steht das Angriffsspiel wieder ganz groß auf meinem Trainingsplan.“

Euer Angriffsspiel war sehr rückraumlastig; die Außen sind kaum zum Zug gekommen und haben viel weniger Tore geworfen, als noch in der letzten Saison. Wie kommt’s?

„Das ist auch dem verlangsamten Tempo unseres Angriffsspiels geschuldet. Niklas Schwenzer ist 2013/2014 einen Konter nach dem anderen gelaufen, in dieser Saison haben wir eben kaum eine erste oder zweite Welle gehabt. In Neuhausen haben wir keinen einzigen Konter gelaufen, in Balingen den ersten in der 57. Minute …“

Dann lass uns die Fragen zur Saison 2014/2015 abschließen, indem wir über einen deiner wichtigsten Spieler sprechen: Steffen Bühler. In der Hinrunde hat er gerade einmal 30 Treffer erzielt, in der Rückrunde fast 100, gleich in den ersten drei Spielen dieses Jahr 32. Woher kommt das?

„Zum einen war Steffen in der Hinrunde mehrere Spiele nicht dabei. Zum anderen haben wir nach seiner Rückkehr sehr viel Zeit in das Zusammenspiel zwischen dem Rückraum und dem Kreisläufer investiert. Wir haben vielleicht keine erste oder zweite Welle, aber dafür haben wir möglicherweise das beste Kreisläufer-Duo der Liga in Bühler und Stefan Job. Unsere taktische Marschroute musste es sein, diese Spieler zu isolieren und die Missmatch-Situationen auszunutzen. Bei diesem Zusammenspiel hat sich zum Beispiel auch ein Jonas Kupijai stark weiterentwickelt. Der hat in der letzten Saison den Kreisläufer noch gar nicht gesehen!“

(Tobias Faller, 09.05.2015)

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