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Eine Frage des Blickwinkels

26. September 2015
HOCHDORF-ASSENHEIM. Der TV Hochdorf hat gestern Abend in der Dritten Handball-Liga einen Punkt geholt. Das 36:36 (15:20) gegen die SG Kronau-Östringen war ein gewonnener Punkt. Es war aber auch ein verlorener Punkt.
Betrachtet man das Ergebnis aus dem Blickwinkel der ersten 45 Spielminuten, hat der TV Hochdorf gegen die zweite Mannschaft des Bundesligisten Rhein-Neckar-Löwen einen Punkt gewonnen. Schließlich lagen die Hochdorfer nach 39 Minuten sieben Tore hinten, hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 26 Gegentreffer kassiert. Betrachtet man das Ergebnis jedoch aus dem Blickwinkel der 57. Spielminute, hat der Gastgeber einen Punkt verloren. Schließlich führten die Hochdorfer zu diesem Zeitpunkt mit 35:33 und vergaben beim Spielstand von 35:34 und 35:35 jeweils eine gute Möglichkeit. Betrachtet man das Ergebnis wiederum aus dem Blickwinkel der 60. Spielminute, hat der TVH einen Punkt gewonnen.  „Von denen geht vielleicht einer von 30 Versuchen rein“, sagte Jan Claussen ehrlicherweise zu seinem glücklichen Treffer per direktem Freiwurf nach Ablauf der 60 Spielminuten und fügte mit einem Grinsen im Gesicht an: „Ich als Torwart hätte den Block anders gestellt.“

Da der Torwart den Block aber nun mal so gestellt hatte, war der 23-Jährige einer der kleinen Hochdorfer Helden. Er war aber zugleich auch einer der tragischen Helden. Schließlich war es der Rückraumspieler, der beim Stand von 35:34 (hier scheiterte noch Niklas Schwenzer im zweiten Versuch) und auch beim Stand von 35:35 den Ball nicht im Tor der Gäste unterbrachte. „Zumindest eine von beiden Chancen muss ich machen“, urteilte Claussen selbstkritisch.

Der große Gewinner auf Seiten der Gastgeber war gestern Abend aber Hagen Gutland. Der 23-jährige Torwart war überhaupt nur im Kader, da Maximilian Bender wegen einer Arthrose in beiden Hüftgelenken für den Rest der Saison ausfällt. Nach 37 Minuten kam Gutland für den über weite Strecken glücklosen Sandro Sitter (fünf Paraden). Gutland, der ansonsten für die zweite Mannschaft in der Verbandsliga im Tor steht, riss sein Team durch seine emotionale Art und sechs Paraden mit – und hatte einen nicht unerheblichen Anteil an der Aufholjagd in der Schlussphase. 

Er strahlte eine gestern sehr gut passende Mischung aus Emotionalität und Ruhe aus. „Vor einem Jahr wäre ich im Tor vielleicht noch rumgehampelt“, erzählt der Schlussmann. Durch seinen studienbedingten USA-Aufenthalt sei er allerdings ruhiger geworden, was sich auch auf sein Torwartspiel auswirke. „Ich bin menschlich gereift und dadurch auch abgeklärter geworden“, sagt Gutland. Sein Blickwinkel auf das Spiel ist jedenfalls ein positiver. Auch wenn er über seine eigene Leistung artig sagte: „Ich bin nicht zufrieden, weil wir nicht gewonnen haben.“

So spielten Sie

TV Hochdorf: Sitter, Gutland (ab 37.) – Claus (3), Purucker (4), Claussen (7) – Falk (6), Schwenzer (2) – Bühler (7/1) – Labroue (1), Beutler (5), Unger (1), Job, Lanninger
Spielfilm: 4:8 (10.), 8:12 (15.), 9:15 (20.), 15:17 (27.), 15:20 (Halbzeit), 19:26 (39.), 26:30 (48.), 35:33 (57.), 35:36 (60.) 36:36 (Ende) – Zeitstrafen: 5:3 – Rote Karte: Job (41.) – Siebenmeter: 2/1 – 3/3 – Beste Spieler: Claussen, Gutland – Bolius, Abt - Zuschauer: 400 – Schiedsrichter: Lay/Morlock (Bruchsal).

(Von Thorsten Eisenhofer, Die Rheinpfalz, 26.09.2015)

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