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»Jetzt starten wir einen zweiten Anlauf« — Stefan Bullacher im großen Winterinterview

07. Januar 2017



Hallo, Stefan. Ich hoffe, du hast die handballfreie Zeit gut überstanden und bist gut ins neue Jahr hinein gekommen. 

Handballfrei war meine Zeit nicht, denn es gibt ja viel zu planen. Ich war auch ohne Training allein viermal in Hochdorf. Aber das neue Jahr habe ich im Kreise meiner Familie und meiner Freunde gemütlich begonnen. 

Am 02.01. stand der Trainingsauftakt auf dem Programm. Waren alle Spieler an Bord?

Robin Egelhof sollte in der ersten Woche eigentlich einen Lehrgang mit der Nationalmannschaft absolvieren, aber er musste mit Fieber das Bett hüten. Die anderen Jungs haben alle trainiert.

Also auch Vincent Klug, der aufgrund seiner Verletzungen bislang ein wenig der Pechvogel der Mannschaft war? Wird er beim Rückrundenauftakt dabei sein?

Vincent ist nun auch voll ins Mannschaftstraining eingestiegen. Jetzt müssen wir abwarten, wie seine Schulter auf die Belastung reagiert. Wenn sich dabei keine unerwarteten Komplikationen ergeben, ist er dabei.

Das erste Spiel im Jahr 2017 könnte wahrlich eine leichtere Aufgabe sein. Es geht am 14. Januar zum TuS Fürstenfeldbruck. Wie sind deine Erwartungen an Spiel und Gegner?

Sie haben einen super Trainer und eine tolle Mannschaft und meine Vorhersage zum Rundenstart, dass dieses Team um die Meisterschaft spielen wird, hat sich bestätigt. Zuhause sind sie eine absolute Macht und haben als Zuschauerkrösus der 3. Liga Süd ein fantastisches Publikum im Rücken. Das ist auswärts sicher die schwierigste Aufgabe.

Wenn wir schon über Fürstenfeldbruck sprechen, muss ich dich auch zu deiner Meinung zu den jüngsten Vorkommnissen fragen.

Der Verein hat einen formalen Fehler beim Einsatz eines jungen, talentierten Spielers gemacht. Sie haben niemanden geschädigt oder betrogen und haben sich dadurch auch keinen Wettbewerbsvorteil verschafft. Trotzdem werden ihnen 13 total verdiente Punkte abgezogen, weil es die Spielordnung leider so vorsieht. Hier werden die Spieler, der Trainer, die Fans und alle Helfer bestraft. Das tut mir wirklich sehr leid. Wenn ich könnte, würde ich die beiden Punkte gerne an den TuS wieder zurückgeben. Auf den Sieg am grünen Tisch bin ich beileibe nicht stolz. 

Gehen wir in der Zeit ein paar Monate zurück: 10. September 2016, Pforzheim — zweiter Spieltag, zweite Niederlage. Was hat sich seitdem in der Mannschaft getan?

Unsere Vorbereitung und der Start in die Saison war personell eine einzige Katastrophe. Mit Vincent Klug, Steffen Bühler, Robin Egelhof und Christopher Klee fehlten uns vier Spieler über mehrere Monate. Alexander Falk wurde unerwartet schon in der Vorbereitung komplett zur TSG Friesenheim beordert. Dadurch hatte ich in dieser Zeit lediglich acht Feldspieler im Training und zu den Spielen zur Verfügung. Eine optimale Entwicklung war damit unmöglich. Jetzt starten wir in der Rückrunde den zweiten Anlauf. 

Dass die Mannschaft nicht schon von Spieltag eins an perfekt harmonieren würde, war im Angesicht von sieben Neuzugängen, von denen fünf aus niedrigeren Ligen bzw. aus der A-Jugend kamen, zu erwarten. Wie haben sich die »Neuen« in deinen Augen geschlagen?

Alle Neuzugänge sind unglaublich ehrgeizig und zielorientiert. Sie wollen lernen, sich weiter entwickeln und erfolgreich sein. Wenn man Vincent mal weglässt, der noch kein Spiel absolviert hat, haben die verbleibenden fünf Feldspieler fast zwei Drittel aller Tore erzielt. Robin Egelhof sorgt auch bei der TSG in der Zweiten Liga für Furore und wird seinen Weg gehen. Tim  Götz ist ganz sicher die Entdeckung der Saison. Niko Sorda hat sich zu einem Top-Kreisläufer und -Abwehrspieler entwickelt und Emanuel Novo ist, nach anfänglichen Schwierigkeiten, auf einem sehr guten Weg. Unser Küken Benny Bayer, der ja noch in der Jugend spielen könnte, halte ich für eines der größten Talente in unserer Region. 

Durch die oben angesprochene Entscheidung gegen Fürstenfeldbruck überwinterte der TVH mit 15:15 Punkten sogar noch auf Platz neun. Bist du damit insgesamt zufrieden?

Nein, denn ich möchte mich auch nicht hinter der Verletzungsproblematik verstecken. Speziell die Niederlagen gegen Kronau, Schwetzingen und Pfullingen waren nicht nur ärgerlich, sondern hatten auch mit Verletzungen nichts zu tun und waren deshalb vollkommen unnötig. Mit diesen sechs Punkten mehr stünden wir heute vier Zähler hinter dem Tabellenführer. Auf der anderen Seite haben mich die überzeugenden Siege gegen Köndringen, Haßloch, Balingen und Mundenheim, vor allem in der Art und Weise, sehr stolz gemacht. 

Schauen wir in der Tabelle ein bisschen weiter nach oben. Mit Horkheim (2.), Nußloch (3.) und Pforzheim (5.) sind dort oben Teams vertreten, die man ohne Zweifel auch dort erwartet hätte. Für größere Überraschungen sorgten indessen Tabellenführer HBW Balingen/Weilstetten II, Aufsteiger HG Oftersheim/Schwetzingen (4.) und der TV Germania Großsachsen (6.). Was macht diese Mannschaften im Vergleich zum Rest der Liga aus?

Ich nehme jetzt gerne wieder die Brucker mit dazu. Sie, Horkheim, Großsachsen und Schwetzingen stehen für Kontinuität im Kader. Es ist ein unschätzbares Gut, wenn man über mehrere Jahre eine Mannschaft entwickeln kann. Bei Pforzheim und Nußloch steht ein hoher Etat für die Qualität des Kaders. In Balingen ist es der Anreiz für junge Talente, sich für die erste Bundesliga zu empfehlen. In allen drei Fällen laufen Spieler mit Zweitliganiveau eine Klasse zu tief auf. 

Hältst du es für realistisch, dass der TVH, der auf den Tabellensechsten Großsachsen immerhin fünf Punkte Rückstand hat, in dieser Saison noch zu diesem Sextett aufschließen kann und dementsprechend im DHB-Pokal vertreten sein würde? 

Da Balingen sich als »zweite Mannschaft« eines Erstligisten sich nicht qualifizieren kann, müssen wir lediglich den Rückstand auf den VfL Pfullingen aufholen, der »nur« drei Zähler beträgt. Das sollte Ansporn und unser Ziel sein. 

Andere Trainer, zuletzt Horkheims Jochen Zürn, prognostizierten, dass unsere Mannschaft die Mannschaft der Rückrunde werden wird. Sind das zu große Vorschusslorbeeren oder hältst du das durchaus für realistisch?

Es ist ein bisschen wie die Europa League im Fußball. Wenn wir am Ende die Qualifikation für den DHB-Pokal schaffen, bin ich zufrieden. In der Mannschaft steckt mehr Potential, als sie es in der Hinrunde abgerufen hat. Dafür werden wir hart arbeiten. 

Mittelfristig wird der TVH mit dieser Mannschaft wieder zu den Top-Teams der Liga gehören, so der Konsens der gegnerischen Trainer weiter. Das setzt jedoch voraus, dass die Mannschaft zu großen Teilen beisammen bleibt. Wie laufen die Vertragsgespräche und wie viel Mitspracherecht wird dir dabei eingeräumt?

Leider werden wir nicht jeden Spieler behalten können, obwohl wir möglicherweise die bessere sportliche Perspektive bieten als unsere »Mitbieter«. Ich bin hingegen sehr glücklich über die Kooperation mit der TSG Friesenheim. Mit Niki Claus, Alexander Falk, Pascal Kirchenbauer und Robin Egelhof haben vier Talente allein in den letzten anderthalb Jahren den Weg über den TV Hochdorf in die Zweite Liga gefunden und machen uns dadurch interessant junge, ehrgeizige Spieler. Das Gros der Mannschaft wird zusammenbleiben und ich habe schon mehrere Jungs im Auge, die sich dieser Aufgabe stellen wollen. 

Du bist mit gutem Beispiel vorangegangen und hast schon im Oktober deinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Welche Ziele hast du mittel- und langfristig noch mit dem Verein?

Ich möchte da anknüpfen, wo ich in Zweibrücken aufgehört habe. Junge Talente aus der Region finden, sie ausbilden und weiterentwickeln. Auf jeden Spieler, der den Weg in Liga eins bis drei findet, werde ich stolz sein. Aktuell spielen Robin Egelhof bei der TSG oder meine ehemaligen Schützlinge Jerome Müller in Saarlouis und Björn Zintel in Hamm eine tolle Saison und ich bin gespannt, wohin ihr Weg führen wird. Mit dem TV Hochdorf möchte ich aus einer Mischung von jungen Spielern und gestandenen Persönlichkeiten wie Steffen Bühler, Niklas Schwenzer und Daniel Lanninger erfolgreich sein.

(Von Tobias Faller, 05.01.2017)

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